Arbeitsgemeinschaften : Entomologie : Insekt des Monats

Haus der Natur /// Insekt des Monats

Dezember 2014

Der Oleanderschwärmer - Ein Immigrant aus Nordafrika

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Bild von Anna Steiner (Werfen)

Nach 2010 – Dr. Patrick Gros berichtete im 4. Newsletter 2010 darüber – wanderten auch heuer offenbar trotz der widrigen Witterungsverhältnisse im Sommer wiederum Oleanderschwärmer - Daphnis nerii (LINNEUS, 1758) - über die Alpen Richtung Norden nach Salzburg ein.

So wurden vor etwas mehr als zwei Monaten im September 2014 Raupen des Oleanderschwärmers am Oleanderstrauch der Familie Prommegger aus Werfen gefunden und von Herrn Philip Steiner, Biologiestudent und ebenfalls aus Werfen, sofort als Raupen des Oleanderschwärmers am Beginn des Puppenstadiums erkannt. Vor dem Kälteeinbruch wurden die inzwischen verpuppten Raupen in den Wintergarten gebracht, wo mittlerweile der abgebildete Schmetterling schlüpfte.

Mehr über den Oleanderschwärmer finden Sie im 4. Newsletter 2010.

 

Mai 2014

Der Trauermantel - Eleganter Frühlingsbote

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Bild von Ludwig Johann Zeller (2012)

Der Trauermantel, in seinem dunklen Samtkleid mit goldenen Rändern, ist einer der elegantesten Tagfalter Europas. Wie der Zitronenfalter überwintert er als ausgewachsener Schmetterling und erfreut uns seines Anblicks, sobald es die ersten warmen Tage des Frühjahrs zulassen. Im Frühling werden die Eier an sonnig stehenden jungen Bäumen (Weiden, Birken, Zitterpappel) abgelegt. Zu diesem Zweck werden windgeschützte und luftfeuchte Standorte bevorzugt, oft in Vorwaldgesellschaften und reich strukturierten Begleitgehölzen am Ufer von Bächen oder am Waldrand. Anschließend entwickeln sich die Raupen in gemeinsamen Gespinsten. Die daraus schlüpfenden Falter sind sehr diskret, da sie im Sommer eine Art Ruhepause einhalten, um Kräfte für die kommende Überwinterung zu sammeln. Im nächsten Frühjahr fängt dann der Zyklus wieder von vorne an.

Neben natürlichen Schwankungen der Populationen, die dazu führen, dass der Trauermantel manche Jahre so selten ist, dass man ihn kaum zu Gesicht bekommt, wird diese Falterart durch die übertriebene Pflege unserer modernen Landschaft immer stärker gefährdet. Junges Begleitgehölz an Bachufern, am Waldrand oder in Waldlichtungen, aber auch Hecken oder gar einzeln stehende Sträucher und Jungbäume werden beinahe überall als Unkraut behandelt und entfernt, Laubarten werden zudem zugunsten schnellwüchsiger Nadelgehölze vielerorts völlig verdrängt. Sogar in unseren Gärten werden einheimische Laubgehölze nicht zugelassen und durch exotische Sträucher ersetzt. Letztere gaukeln uns allerdings nur künstliche Natürlichkeit vor! Forsythien mögen sehr gut aussehen, für gefährdete Schmetterlingsarten sind sie aber nutzlos. Einheimische Schmetterlinge benötigen einheimische Pflanzen für ihre Entwicklung, so auch der Trauermantel. 

Lernen wir endlich, ein wenig Natur zuzulassen. Die Natur, und auch der Trauermantel, wird uns dankbar sein…  

Feber 2014

Der Ölkäfers Meloe proscarabaeus (Linné, 1758) mitten in der Stadt Salzburg

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Am Giselakai, genauer: an der Salzachböschung zwischen Nonntalerbrücke und Mozartsteg, tritt seit einigen Jahren der Ölkäfer Meloe proscarabaeus in großer Individuenzahl auf. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil Exemplare der Gattung Meloe eher selten und meist nur vereinzelt gesichtet werden. Die Käferlarven parasitieren bei solitären Hymenopteren und sind daher auf das Vorkommen von entsprechenden Wirtsarten angewiesen.

Das Massenvorkommen am Giselakai trat erstmals 2008 auf. Der Giselakai wird seit 2002 von Dr. Elisabeth Geiser, einer ausgezeichneten Käferspezialistin, regelmäßig als Laufstrecke besucht. Am 24. März 2008 gegen 10:30 MEZ, bei strahlendem Frühlingswetter, krabbelten derartig viele Meloe proscarabaeus über den asphaltieren Fußweg, dass man aufpassen musste, sie nicht zu zertreten. Im Frühjahr 2009 fiel ein derartiges Massenauftreten nicht auf, möglicherweise hatte die große Käferanzahl vom Vorjahr die Wirtspopulation stark dezimiert. 2010 gab es wieder auffallend viele Käfer und 2014 konnten bereits im Feber erste Tiere beobachtet werden.

Wenn auch Sie dieses Tier beobachtet haben, bitten wir Sie um Mitteilung inkl. Datum und Ort der Beobachtung an patrick.gros@hausdernatur.at.

Mehr über den Ölkäfer lesen Sie auch in den Newslettern 1/2011 und 2/2011 der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft.

September 2013

Plagegeister

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Der Buchsbaumzünsler  Cydalima perspectalis (WALKER, 1859) stammt ursprünglich aus Ostasien und ist dort von China bis Japan mit der Futterpflanze Buxus sinica (Rehder & E.H. Wilson) M. Cheng und weiteren Buchs-Arten wie z. B. Buxus microphylla Siebold & Zucc. weit verbreitet. Er gilt als Schadinsekt, dessen Raupen Buchsbäume durch Kahlfraß in kurzer Zeit zum Absterben bringen können.

Seit Ende 2006/Anfang 2007 tritt er auch in Europa auf. Zuerst wurde er in Deutschland in Weil am Rhein gemeldet. Auch bei uns in Salzburg wurde die ersten Tiere bereits 2011 beobachtet. Mittlerweile gilt dieses Tier als eingebürgert und tritt fallweise sehr zahlreich in Erscheinung. Zurzeit können die Tiere nächtens an Laternen in der Nähe von Gärten mit Buchsbaumbeständen beobachtet werden. Am Tag sitzen sie gerne auf den Buchsbaumsträuchern. Das Tier ist üblicherweise weiß mit einer markanten dunklen Binde am Flügelaußenrand. Es können aber auch dunkle Formen beobachtet werden, wie hier am Foto zu sehen ist.

In Internetforen wie zum z.B. www.lepiforum.de wird über dieses Tier seit seinem Auftauchen intensiv diskutiert und sein Auftreten aufgezeichnet. Aktuelle Verbreitungskarten oder auch Tipps zur Bekämpfung des Buchsbaumzünsler können hier abgerufen werden.

Wenn auch Sie dieses Tier beobachtet haben, bitten wir Sie um Mitteilung inkl. Datum und Ort der Beobachtung an patrick.gros@hausdernatur.at.

Mehr über den Buchsbaumzünsler lesen Sie auch im Newsletter der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft.

Mai 2013

Urmotten - Bissige Schmetterlinge

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Landläufig sind Schmetterlinge mehr oder weniger als nektarsaugende Blütenbesucher bekannt. Insbesondere kennen wir den "Schmetterlingsstrauch", an dem wir jedes Jahr eine große Zahl verschiedener Schmetterlinge beim Saugen des Nektars beobachten können. Die Mundwerkzeuge der Schmetterlinge sind im Vergleich zu anderen Insekten sehr spezialisiert und zu einem Saugrohr abgewandelt.

Weitgehend unbekannt dürfte aber sein, dass es auch Schmetterlinge gibt, die sich nicht von Nektar sondern ausschließlich von Blütenpollen ernähren. Diese Arten werden zur Schmetterlingsfamilie Micropterigidae zusammengefasst. Die Micropterigidae, auch Urmotten genannt, sind nach heutigem Wissensstand die urtümlichste Schmetterlingsfamilie überhaupt. Sie besitzen noch funktionsfähige Kauwerkzeuge und ernähren sich von Pflanzenpollen bzw. Sporen von Farnen.

Wer jetzt im Mai und Juni mit offenen Augen entlang von schattigen Bachufern, feuchten Wiesen und Waldrändern spaziert, wird diese beissenden Urmotten auf vielen Blüten pollenfressend finden können.

Mehr zu den Urmotten lesen Sie im Newsletter der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft.

Februar 2013

Ameisenbläulinge - Spezialisten unter den heimischen Tagfaltern (Gattung Phengaris Doherty, 1891)

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Ameisen sind sehr verbreitet, und auch besonders individuenreich: Kaum ein Quadratmeter Boden ist bei uns ameisenfrei.
Da sie zu den erfolgreichsten Räubern zählen, sind sie für viele Lebewesen eine bedeutsame Gefahrenquelle. Darüber hinaus sind ihre Nester aufgrund ihrer unermüdlichen Sammeltätigkeit gewaltige Nahrungsquellen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Invertebraten Strategien entwickelt haben, um den Ameisen zu entkommen, oder sogar um ihre Ressourcen zu nutzen, im Gegenzug zur erfolglosen Zikade von Lafontaine… Eine derartige ökologische Einnischung ist bei den sogenannten Ameisenbläulingen bekannt. Aufgrund deren Gefährdungsstatus wurden diese Falter auch verhältnismäßig gut untersucht. Für die Entwicklung der Raupen werden nicht nur bestimmte Pflanzen benötigt, wie bei den meisten anderen Schmetterlingsarten, sondern auch Ameisen, ohne die diese Schmetterlinge nicht überleben könnten!

Mehr zu den Ameisenbläulingen lesen Sie im Newsletter der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft.

Dezember 2012

Eriocrania salopiella (Stainton, 1854) - Neu für Österreich

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Christof Zeller, Leiter der entomologischen Arbeitsgruppe, konnte diese Trugmotte, so der deutsche Name dieses Schmetterlings, am 5. Mai 2009 in Niederwaldkirchen (Mühlviertel, Oberösterreich) erstmals für Österreich nachweisen.

Mehr zu den Trugmotten lesen Sie im aktuellen Newsletter der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft.